Dienstag, 16. Mai 2006

Estella - Los Arcos - Torres del Rio***** 16. Mai 2006 *****

Estella - Los Arcos - Torres del Rio

Das spanische Hotelfrühstück bekam zu keinem Zeitpunkt von meinen westfälischen Geschmacksnerven einen Speichelpunkt. Milchkaffee und Hörnchen, igitt! Was sehnte ich mich manchmal nach meiner Eigenkomposition „Stampfei à la Edgar P.“. Es ist inzwischen so bekannt, dass es in dem Kochbuch “Löwen bitten zu Tisch“ S. 36, ausführlich beschrieben wird, siehe Vorspann. Dabei denke ich, man nahm dieses Rezept nicht um seines Inhalts willen, sondern wegen des witzigen Begleittextes. Während all der Tage hatte ich keinen großen Hunger. Vier Kilo nahm ich auf dieser Tour ab. Abends kaufte ich mir manchmal auch nur ein Baguette und belegte es großzügig mit Dosenfisch, Wurst oder Käse. Das war zum Teil noch schmackhafter als das Pilgermenü für 9,-- EUR incl. Rotweinflasche. Mein scharfes Taschenmesser tat mir gute Dienste. Im letzen Jahr schnitt ich mir damit an den Weinbergen pralle Traubenbüschel ab.

An dem von mir schon beschriebenen Weinbrunnen der Kellerei Bodegas Irache kurz hinter Estella, ließ ich mich von spanischen Fahrradpilgern ablichten. Dieses Jahr hatte ich meine Digitalkamera dabei. Im letzten war ich noch vorsichtig, sie blieb daheim Es durfte nur der Einfachstapparat mit. Die Fotos von 2006 sind deswegen besser als die aus dem Vorjahr. Gleichwohl sind die Bilder nachfolgend nicht immer dort eingefügt, wo sie hingehörten. Die Fotos geben die Weite des verschlungenen Weges ebenso wieder, wie die Eindrücke der menschenleeren Landschaft. Von den Höhen sieht man, wo hin es geht. Es ist frustrierend, wenn man wahrnimmt, wie weit es noch zum Zielpunkt ist. Nach dem Führer ist ja bekannt, wie viel Kilometer zurückzulegen sind. Deshalb kam ich drauf, nur vor mich zu schauen und mich nicht durch die noch zu laufende Entfernung verrückt machen zu lassen. Gehe stets Schritt vor Schritt, sagte ich mir, so kommst du schneller ans Ziel, als wenn du lamentierst, „da soll ich hin, so weit ist dass noch?“ Viel dachte ich insoweit an Weisheiten wie sie z.B. Dale Carnegie in „Sorge dich nicht, lebe“ verbreitete. Was juckt mich die verschüttete Milch von morgen. Jetzt habe ich das anstehende Problem zu lösen. Das möglicherweise morgen anstehende kommt dann dran, wenn es denn überhaupt kommt.

Dieses Mal fand am Weinbrunnen kein langes Gespräch statt. Gleichwohl erinnerte ich mich gerne an die zwei Studentinnen vom letzten Jahr und unsere Unterhaltung über Gott und die Welt. Erinnerungen sind halt ein Paradies, aus dem man nicht vertrieben werden kann. Schön war es jedenfalls für mich dort anzuknüpfen, wo ich 05 aufgehört hatte. Das spiegelt sich m.E. auch in den neuen Gedichten wider. Die Empfindungen waren 06 noch stärker. Sie vertieften sich mit jedem Schritt, den ich in Richtung Santiago marschierte.

Leider war ich am Weinbrunnen so dumm, die Wasserflasche halb mit dem köstlichen Roten zu füllen. Bei der Hitze sollte Alkohol dem Abend vorbehalten bleiben. Daheim trinke ich nie vor dem Abendbrot, wenn ich denn überhaupt Wein oder Bier meinem Gesundheitsbrunnen-Wasser St. Leonhard aus Stephankirchen vorziehe. Während der Wanderung ist es wichtig, viel zu trinken. Nicht immer hielt ich mich daran. Das abgezapfte Brunnenwasser schmeckte nach dem Tragen in der Hitze abgestanden. Es gibt Wanderstrecken von 12, 15 und mehr Kilometern, wo kein Brunnen, keine Bar zu finden ist. Der Körper benötigt jedoch ständig Wasser. Er braucht auch Magnesium, um Schwitzausgleich zu schaffen. Nach einem 30-km-Marsch öffnete ich im Ankuntsort die erstbeste Lebensmittelladentür, kaufte eine ein Literflasche Hohes-C und trank sie ohne abzusetzen aus. Mein Durst war übermächtig, richtig gierig war ich. Manchmal wünschte ich auf den Wegstrecken sehnlichst einen Cola-Automaten mit Gekühltem herbei. Sie gab's selten. So weit geht die Vermarktung des Camino/Jakobweges zum Glück noch nicht. Dabei denke ich, viele entlang des Weges leben auch von den Pilgern.


12 Kilo drücken
bis zur nächsten Herberge
am Anfang des Wegs.

Bei einem ist’s trüb
beim anderen brennt die Sonne,
du trägst dein Paket

Die Buschwindröschen
und Mohn bedrängen den Weg
entlang der Mauer.

Nach dem Regenguss
duftet der Pinienwald.
Frisch der junge Tag.
Der Pilgerführer „Der Weg ist das Ziel“ warnt vor dem wasserlosen 12,5 km Weg Villamayor de Monjardin nach Los Arcos. Nach der Tour, die ich nicht so schlimm fand, übernachtete ich und machte mich auf den Weg nach Viana.

Schaue weit nach vorn,
schätze die Risiken ab,
nimm die vor dir an.

Wer auf dem Pfad bleibt,
geht auf bekannten Wegen
finde zu ihnen.

Mein Pilgerbuch ließ ich wie überall wo es möglich war stempeln.

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